ETAPPEN DER DEUTSCHEN EINWANDERUNG IN CHILE
1. VALPARAISO
 

1811






1822








1823





1838







1843









1870

Am 21. Februar werden erstmals die
Landesgrenzen geöffnet. Der Regierungsrat
beschließt: “Von nun an werden die Häfen von Valparaiso, Talcahuano und Coquimbo für den freien Handel mit ausländischen Staaten, die mit Spanien befreundet und
verbunden sind, wie auch der neutralen
Staaten, geöffnet”.

Die englische Schriftstellerin Maria Graham
beschreibt auf ihrem Reisetagebuch ihren
Aufenthalt in Chile. Sie berichtet über deutsche Berufstätige, Geschäfte und Firmen
in Valparaiso.
Das erste deutsche Handelshaus etabliert
sich in der Hafenstadt. Schutte, Post & Co.
besteht nach diversen Firmenbezeichnungen
und einer Verlegung nach Santiago bis 1966.

Samuel Friedrich Scholz, schlesischer
Kaufmann, und William Armstrong, Britischer
Konsul, gründen den “Ausländerfriedhof des Hafens und der Stadt Valparaiso”, heute “Dissidentenfriedhof”, den ersten Friedhof
in Valparaiso.

Gründung des “Deutschen Vereins zu
Valparaiso”, der ersten von Deutschen
in Chile gegründeten Institution. Bis heute
ein anerkannter, aktiver und gut besuchter
gesellschaftlicher Verein, mit Sitz im unter
Denkmalschutz stehenden “Palacio Ross”
im Zentrum von Valparaiso.

Ferdinand Flindt, preußischer Konsul in
Valparaiso; Bernhard Eunom Philippi,
preußischer Matrose, Naturwissenschaftler und
Abeteurer; Franz Christoph Kindermann,
schlesischer Kaufmann und Aquinas Ried,
pfälzischer Arzt und Komponist, gründen eine
Gesellschaft mit dem Ziel, deutsche
Arbeitskräfte anzuheuern, um den Süden
Chiles zu besiedeln.

Bis dato haben sich mindestens 20 deutsche
Handelshäuser in der Hafenstadt etabliert. Eine große, jedoch schwer zu beziffernde
deutschsprachige Gemeinschaft verfügt über
folgende eigene Institutionen: einen
gesellschaftlichen Verein, einen Hilfsverein,
eine Feuerwehrkompanie, eine Loge, eine
Schule, einen Gesangverein, einen Turnverein,
eine Wochenzeitung und einen Friedhof.


 
  2. ALTE PROVINZ VALDIVIA
(Nördliche Grenze Fluß Toltén; Südliche Grenze Fluß Maullín)
 

1845











1846








1848




1850









1852






 

 


1876

Am 18. November wird das
“Kolonisationsgesetz” verabschiedet.
Die Gesellschaft von Flindt, Philippi,
Kindermann und Ried beauftragt Rudolph Amandus Philippi, den in Kassel wohnhaften Bruder Bernardos, deutsche Kolonisten für das gesellschaftseigene Gut “Santo Tomás de Quilacahuín” (später “Bellavista” genannt),
am südlichen Ufer des Flusses Río Bueno, in Höhe der Mündung des Flusses Rahue gelegen, anzuheuern.

Am 25. August kommt die erste Gruppe
deutscher Einwanderer für “Bellavista” in Corral an. Bis 1850 lassen sich zahlreiche Siedler auf diesem Gut nieder, teilweise direkt von Kindermann angeheuert, der 1848 dafür nach Deutschland geht. Etliche Einwanderer ziehen dann weiter nach Pampa de Negrón, La Unión, Río Bueno und Osorno.

Ein vom chilenischen Staat geleitetes
Einwanderungsprojekt wird ins Leben gerufen.
Dafür wird Bernardo Philippi als offizieller
Kolonisationsagent nach Deutschland entsandt.

Am 13. November kommt eine selbstständige, nicht offiziell verpflichtete Einwanderergruppe unter der Leitung Carl Anwandters in Corral an, um sich in Valdivia niederzulassen. Am 17. November spricht Anwandter stellvertretend einen Eid der Treue Chile aus, auf Grund der positiven Aufnahme eines von den Siedlern dem chilenischen Kolonisationsagenten Vicente Pérez Rosales vorgelegten Fragebogens.

Am 12. Dezember erreicht die erste von
Bernardo Philippi in Deutschland verpflichtete
Einwanderergruppe den Hafen Corral.

Nahezu gleichzeitig kommen die ersten
deutschen Einwander an den See Llanquihue:
Über den Landweg von Osorno aus erreicht
eine Gruppe das nördliche Ufer (heute Puerto
Octay). Über den Seeweg via Corral – Ancud – Melipulli (heute Puerto Montt), erreicht eine andere Gruppe das südliche Ufer.

Schätzungsweise haben sich bis dato bereits
ca. 8.000 Deutsche in Valdivia, Río Bueno,
La Unión, Osorno, Puerto Montt und an
den Ufern bzw. in Ortschaften des Sees
Llanquihue hiedergelassen.


 
  3. DIE GRENZE  

1882

In Paris wird die “Generalagentur für
Kolonisation und Einwanderung” eingerichtet,
um europäische Siedler im Gebiet
der Araucanía anzusiedeln.
Die Aufgaben dieser Agentur waren (laut Zitat):

 
 
  1. Die Werbung, Verpflichtung und Beförderung von Siedlern.
2. Die Verpflichtung und Beförderung der von der “Gesellschaft für industrielle Förderung” angworbenen Einwanderer.
3. Der Schriftwechsel mit der Regierung, die Statistiken, etc.
4. Die Verpflichtung der von chilenischen Unternehmern angeforderten Arbeiter.
5. Jedem bereitwillig Auskunft geben.
6. Eine Ausstellung chilenischer Produkte führen.
 

1901

Bis dato haben sich 36.000 europäische
Einwanderer etabliert. Laut Berichten
der Agentur wurden 24.000 offiziell verpflichtet;
12.000 sind auf eigene Initiative gekommen.
Die angegebenen Daten sind:

 
 
  Spanier
Franzosen
Italiener
Schweizer
Engländer
Deutsche
Russen
Österreicher
Belgier
Griechen
Türken
Holländer
Nordamerikaner
Schweden
Dänen
10.637
8.264
7.740
3.087
2.074
1.795
205
180
180
95
28
13
4
2
1
 
 
 
Die deutschsprachigen Einwanderer, die La
Frontera während dieser Zeit erreichen, lassen
sich mehrheitlich in Victoria, Los Sauces, Quino,
Ercilla, Quillén, Lautaro, Traiguén, Contulmo,
Galvarino, Salto, Temuco und Purén nieder.


 
  4. DIE ZWEI WELTKRIEGE  

1915







1919






1933








1942







1945

Mitten im Ersten Weltkrieg wird der kleine
Kreuzer der Deutschen Marine “S.M.S. Dresden”, in Anbetracht der Übermacht englischer Kriegsschiffe von seinem Kapitän in der Cumberland Bucht, Juan Fernández Insel, versenkt. Es überleben weit über 300
Besatzungsmitglieder, die bis 1919 auf
der Insel Quiriquina interniert werden.

Eine beachtliche Anzahl von
Besatzungsmitgliedern der “Dresden” und
anderer Kriegschiffe, wie auch Bordpersonal
von in Chile festgehaltenen Frachtern, bleiben
endgültig in Chile und gründen Familien mit
zahlreicher Nachkommenschaft.

Unter den deutschen Einwanderern des 19.
Jahrhunderts befinden sich Familien
unterschiedlichen Glaubens. Christen,
Konfessionslose, Freimaurer oder Juden gelten gleichermaßen als Deutsche. Sie beteiligen sich landesweit als Mitbegründer und aktive Mitglieder zahlreicher Institutionen.
Jedoch werden die Ereignisse in Deutschland
diesen Zustand stark verändern.

Tausende von Juden sind bis dato auf der Flucht vor dem Dritten Reich bzw. aus den von ihm besetzten Gebieten nach Chile gekommen, darunter zahlreiche Deutsche.
Davon entscheidet sich eine beachtliche-
jedoch nicht erfaßte Anzahl- endgültig in
Chile zu bleiben.

Es ist nicht bekannt, wie viele Deutsche
unterschiedlichen Glaubens und Ideologie, aus verschieden Gründen vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg nach Chile auswandern. Es handelt sich aber zweifellos um den zahlenmäßig größten deutschen Einwanderungsstrom, der bisher in Chile zu verzeichnen ist.